Mit dem Bus ging es von Wenden zunächst nach Paris. Schon am ersten Abend erklommen die meisten Pilger den Eiffelturm, um einen Blick auf Paris bei Nacht zu werfen. Der darauffolgende Sonntag führte die Gruppe in das Schloss Versailles mit den beeindruckenden Prunkgemächern und Gartenanlagen. Die Sonntagsmesse wurde in der berühmten Kirche Sacré-Cœur gefeiert. Nach der Messfeier in der Erscheinungskapelle in der Rue du Bac, in welcher die Muttergottes der Hl. Katharina Laboure den Auftrag gab, die „wunderbare Medaille“ prägen zu lassen, stand am Montag eine Stadtbesichtigung auf dem Programm. Höhepunkt war hier die nach dem Brand wieder „auferstandene“ Kathedrale Notre Dame. Unversehrt blieben bei dem Brand die Dornenkrone Christi (Hauptreliquie der Kathedrale), die Kreuzigungsgruppe des Altares und die über dem Eingang thronende Madonna. Vielleicht ein Sinnbild: Das Wesentliche der Kirche blieb unzerstörbar. Am nächsten Tag fuhr man weiter nach Chartres zur „schönsten Kathedrale Frankreichs“ mit den weltberühmten Fenstern, die im Chartres-Blau strahlten. In diesem lichtdurchfluteten, himmelstrebenden Bau der Gotik wurde einmal mehr deutlich, dass jedes Gotteshaus ein Abbild des himmlischen Jerusalems ist. Die Messe wurde am Grab des aus Neheim stammenden Priesters Franz Stock gefeiert, der in Frankreich in den 1930er und 40er Jahren als ein Apostel des Völkerfriedens und der Versöhnung wirkte. Ein Glaubens- und Lebensvorbild auch für unsere Zeit. Am Abend bezog die Gruppe Quartier in Lisieux, der Heimat der „Kleinen Therese“. An diesem Abend wurde unter Gitarrenbegleitung von Gertrud Geers das „Bergfest“ der Wallfahrtswoche begangen. Der Mittwoch stand im Zeichen der Heiligen Therese von Lisieux, die uns den „kleinen Weg“ lehrt. Es ist der Weg der Alltagsheiligkeit: Nichts Außergewöhnliches tun, aber das Gewöhnliche auf außergewöhnliche Art und Weise tun, nämlich mit und aus Liebe zu Gott und dem Nächsten.
Nach der Messfeier in der Basilika, dem Besuch des Vaterhauses und dem Gebet an ihrem Sarkophag wartete das „Wunder des Abendlandes“ auf die Pilger, der Mont Saint Michel, die über 1000 Jahre alte Wehr- und Klosteranlage auf dem Felsen im Atlantik. „Wer ist wie Gott?“ Diese Frage steht im Namen Michael und richtet sich durch den Hl. Michael auch an jeden Einzelnen von uns. Die Antwort kennen wir: Nichts und niemand! Über einen Abstecher nach Le Mans, der Heimat des Hl. Liborius, ging es nach Tours, wo der Heilige Martin als Bischof wirkte. Nach einer Fahrt durch das Loiretal mit Besichtigung des Schlosses Chambord wurde zum Abschluss der Tage am Grab des Hl. Martin die Hl. Messe gefeiert. Zur Begeisterung der Sakristeischwester erklang hier das Martinslied mit allen Strophen. Die Schwester berichtete von vielen Taufen junger Erwachsener in der Studentenstadt Tours. Jugendliche, die ohne Glauben aufgewachsen sind, kommen durch die Suche nach dem Sinn des Lebens zum Glauben. Ein passender Abschluss für eine Pilgerfahrt auf den Spuren der Heiligen, denn Heiligkeit ist unser aller Berufung als Christen. So kam die Pilgergruppe gestärkt durch die Vorbilder im Glauben und die frohe Gemeinschaft dieser Tage nach einer Woche wieder im Wendener Land an.